Hier will ich euch von ein paar ganz besonderen Menschen erzählen. Von Menschen die mein Weltbild in nur ein paar Tagen auf den Kopf gestellt haben und die mir gezeigt haben was es wirklich bedeuten kann mutig zu sein, sich jemandem anzuvertrauen und was auch kommt immer einfach weiter zu machen ohne das Glück oder das Lachen je zu verlieren. 

Das Emma Dow Projekt ist ein Projekt für Straßenkinder. 

In Masaka leben ungefähr 200 Kinder auf der Straße. Sie fiehen vor Gewalt in der Familie, viele sind Aidswaisen oder Halbwaisen.  Es waren Julius und Barnabas zwei junge Ugandander  frisch gebackene Lehrer die begannen Straßenkinder bei sich aufzunehmen und sie mit Hilfe von Freunden aus Kanada einzuschulen. Aus ihrem persönlichen Engagement ist ein wunderbares weltweites Projekt entstanden. 



Darf ich vorstellen: Der Projektleiter Julius Lule mit mir bei einem Ausflug an den See mit den Jungs. 


Und das ist Barnabas Julius jüngerer Bruder. Die beiden haben entschieden ihr Leben mit den Straßenkindern zu teilen und sie als ihre Kids anzunehmen. Zwanzig haben sie bis jetzt in das Kinderheim aufgenommen, die zwei ehemalst jüngsten haben sie adoptiert und sie treffen sich regelmäßig mit den Jugendlichen die immer noch auf der Straße leben. 

Was wir tun

Die Situation der Straßenkinder in Masaka

In der Stadt Masaka leben circa 200 Straßenkinder. Masaka ist mit 175.000 Einwohnern etwas kleiner als Freiburg. Die meisten von ihnen sind Jungs, die von zuhause weggelaufen sind. Entweder auf Grund von häuslicher Gewalt, Missbrauch oder weil die Familie sie nicht mehr durchfüttern konnte. Oft handelt es sich um Aidswaisen oder Halbwaisen, die nach einer erneuten Heirat des verbliebenen Elternteils nicht mehr von der Familie akzeptiert werden. Die Straßenkinder in Uganda haben so gut wie keine Rechte. Sie dürfen vertrieben, geschlagen oder sogar angezündet werden, ohne dass dies rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen würde. Schmutzig und herunter gekommen  wie sie sind, werden sie verjagt und immer wieder ausgeraubt. 

Wochenendprogramm

Julius und Barnabas treffen sich am Wochenende mit den Streetkids. Sie spielen zusammen Fußball und reden über das Leben auf der Straße. Die beiden wollen den Kindern Mut machen dass ihre Situation nicht für immer so bleiben muss. 
Gebt niemals auf es kommt ein Tag da wird sich alles ändern.

Nightwalk

Einmal pro Woche gehen die Brüder auch abends zu den Jungs. Sie versorgen sie mit einer warmen Mahlzeit, bringen Medikamente  und stellen sicher das kein Kind fehlt. Wenn ein Kind sehr krank ist bringen sie es zum Arzt und erkundigen sich nach Neuigkeiten.

Träume wahr machen

Mit Hilfe von Sponsoren aus Kanada, Deutschland und anderen Ländern schaffen die Jungs es den größten Traum der Kinder zu erfüllen. Die Sponsoren bezahlen das Schulgeld für einzelne Jungs und Julius kann sie in gute Internate schicken. 
Mittlerweile sind es zwanzig Kinder und er hat ihnen ein kleines Zuhause in Nabugabo gebaut wo sie wohnen und endlich eine Familie finden.

Die Geschichte von Madi

Heute möchte ich euch gerne einen ganz besonderen jungen Menschen vorstellen. 

Sein Name ist Madi was von „Mohammed“ abgeleitet ist. Dieser kleine Junge mit den großen dunkelbraunen Augen die so freundlich zu mir hochschauen und die kleinen Hände die meine Umfassen und mit meinen Armband scheinbar unbeteiligt herum spielen. Der kleine stille scheue Madi der so unglaublich aufgeblüht ist seit er bei uns Zuhause wohnt. 

Julius und ich wissen was er durchgemacht hat und es schießt mir immer wieder in den Kopf wenn ich unseren jüngsten Schützling betrachte. Ich höre die Stimme seines betrunkenen Vaters der seine Mutter anschreit. Ich höre das Wimmern und die Schreie. Ich betrachte seine Fußgelenke und weiß dass sein Vater sie zusammen gebunden hat um besser zu treffen. Er war mal als Soldat im Krieg gewesen und irgendwie steckt das wohl immer noch in ihm. Ich denke an die staubigen Straßen von Masaka mit den vielen Motorrädern und dem Plastikmüll in den Gassen. Immer wieder versuche ich mir vorzustellen in welchem Moment der siebenjährige wohl entschlossen hat von Zuhause weg zu laufen und sich auf der Straße durchzuschlagen. War es eine Kurzschlussreaktion als der Vater mal wieder zu heftig zugeschlagen hatte. Hatte er geplant sich klammheimlich wegzuschleichen wenn der Vater arbeiten war. War er alleine gelassen worden und hatte stundenlang gewartet ehe er selber aufbrach, um sich etwas zu Essen zu organisieren und war dann nie zurück nach Hause gekommen?

Julius und ich haben ihn im Mai gefunden. Er war bis nach Masaka spaziert wo wir ihn das erste Mal sahen. Wir waren nur kurz vorbei gekommen um bei den Streetkids nach dem Rechten zu sehen, die Köchin, die für sie kocht zu bezahlen und ein wenig Zeit zusammen zu verbringen. Grade hatte Julius sein Handy rausgeholt und die Jungs posten albern und lachten und stürmten immer wieder um das Display um sich sehen zu können. Wir verteilten Knicklichter die ich für „einen besonderen Anlass“ aus Deutschland mitgebracht hatte. Irgendwie sind sie alle Waisen und haben ihre Eltern verloren auch wenn manche vielleicht noch am Leben sind. Und viele von ihnen sind so unglaublich jung. Zwölf, dreizehn Jahre aber in ihren dreckigen Gesichtern und mit ihrem müden Blick sehen sie aus wie klein geratene Erwachsene. Ich glaube deshalb viel Madi mir auf. Wir waren schon im Gehen da drehte ich mich noch einmal um. Madi saß ganz alleine am Straßenrand unbeachtet und sah etwas nach das in der Ferne lag.  Das T-Shirt dass er trug war wohl irgendwann mal gelb gewesen und es war so groß dass er es ohne Hose als Kleid trug. Mir schoss ein Bild in den Kopf. Ich musste etwa in seinem Alter gewesen sein. Mein Vater war auf Geschäftsreise in den USA. Ich hatte ihn schrecklich vermisst und als er endlich zurück nach Deutschland kam hatte er mir ein Geschenk von seiner Reise mitgebracht. Es war ein weißes T-shirt mit dem bunten Aufdruck eines Traumfängers indem sich ein Wolf verfangen hatte. Es hätte meinem Papa selber gepasst aber ich scherte mich nicht darum. In meinen Augen war es perfekt. Das Männer T-shirt wurde mein innig geliebtes Nachthemd und ich wuchs quasi jede Nacht ein bisschen mehr  in es hinein bis ich es als richtiges  Oberteil tragen konnte. 

Und da stand dieser kleine Junge barfüßig und von oben bis unten schmutzig und wie ich damals ging er in dem großen T-Shirt unter als wäre es sein Nachthemd. Es erinnerte mich so sehr daran wie kuschelig und sauber mein weites T-shirt war und wie meine Eltern liebevoll über ihre kleine Tochter gelächelt hatten. Und ich musste daran denken dass er nicht in dieses T-Shirt hinein wachsen würde wie ich es getan hatte und dass er keine Eltern hatte die ihn abends ins Bett brachten wie sich das für einen siebenjährigen gehört. Deswegen stupste ich Julius an. „Wer ist der kleine Junge dort vorne?“ Julius kannte ihn noch nicht. „Er muss neu in der Stadt sein, lass uns morgen wieder kommen und es heraus finden“ 

 

Als wir ihn wieder besuchten, kamen wir mit einem neuen Kindershirt und einer Hose. Wir setzten uns zu ihm und ich nahm in den Arm. Wir kauften ihm Chapatti und er ging ein Stück an meiner Hand mit uns mit. Seine kleine Schwarze Hand verschwand in meiner und als er zu mir aufschaute mit seinen großen etwas zu weit auseinander stehenden Augen und den kindlichen Zügen hatte ich die Verantwortung. „Du bist Zeitlebens für das Verantwortlich was du dir vertraut gemacht hast“ Das ist ein Zitat aus dem Kleinen Prinzen aber es passte perfekt. Der Kleine war nicht mehr „nur“ ein Straßenkind. Es war der kleine Siebenjährige Madi der mein sauberes T-shirt trug und genüsslich sein Chapatti vertilgte. Ich wunderte mich dass er keine Angst vor uns hatte denn er folgte uns ohne zu zögern. Etwas erstaunt über unsere Freundlichkeit war er vielleicht, aber er verschwand auch wieder wie selbstverständlich in den Gassen nachdem er fertig gegessen hatte. „Gib ihm ein Zuhause“ bat ich Julius. Ich werde Menschen finden die für ihn aufkommen 


Es muss Madi wie ein Wunder vorgekommen sein als Julius ein paar Tage später erneut auf ihn zukam. Julius wusch ihn, brachte ihn zum Frisör gab ihm frische saubere Klamotten. Freunde von mir halfen mir genug Geld zusammen zu bekommen damit er in die Schule gehen kann. Wenn ich den kleinen Madi jetzt sehe in seiner schicken orangenen Schuluniform, mit den guten geschlossenen Schuhen, wenn er mir lachend in den Arm fliegt sobald er mich sieht, dann bin ich die stolzeste Patenmama der Welt. Er hat zugenommen, seine Haut sieht lebendiger aus und sein Blick ist jetzt wach und neugierig

Ich bin erst zwanzig. Julius ist siebenundzwanzig aber wir haben Madi gemeinsam angenommen.  Er wohnt in Julius größerem Haus dass er in Nabugabo gebaut hat. Ein Zuhause für mittlerweile zwanzig Schulkinder die ehemalige Straßenkinder sind und ähnliche Geschichten haben wie Madi. 

Wenn man den Jungs auf der Straße sieht wie sie grob miteinander umgehen, wie sie klauen und Drogen nehmen dann möchte man denken dass diese Kinder verloren sind und das kein Psychloge der Welt sie wieder hinbekommt. Ich weiß nicht wie Julius es macht aber wenn ich in Nabugabo bin in dem kleinen Zuhause dann fühlt es sich im Gegenteil wie eine heile Welt an. Die Jungs lachen, spielen Fußball in ihren neuen Trikots, wir sitzen am Esstisch und spielen UNO und albern und tricksen uns aus bis es so dunkel wird dass man die Farben auf den Karten nicht mehr richtig erkennt. Wir streiten und versöhnen uns. Man hört die Jüngeren quängeln, weil die älteren Ärgern und dann petzen die Kleinen und es gibt eine Standpauke von der Chefetage. Wir machen Familienausflüge an den See und gehen baden und Pommes essen. Die Jungs lieben es in ordentlichen Klamotten in die Stadt zu gehen und die Jüngeren streiten wer an meiner Hand laufen darf. Als wollten sie der ganzen Welt, die sie früher verachtet hat zeigen, dass sie jetzt eine Familie haben. Keins unserer Kinder muss mehr Drogen nehmen, handgreiflich werden oder stehlen. Sie dürfen endlich ganz normale Kinder sein und wenn die Ferien um sind dann tragen sie ihre Schuluniform mit so viel Stolz in den Augen wie niemand sonst.

Ich blicke auf Madi und ich sehe seine Narben und ich denke an all die Dinge die ihm in seinen jungen Jahren widerfahren sind aber sie erschrecken mich nicht mehr so. Sie machen ihn in meinen Augen nur noch wertvoller. Auch wenn wir so viele Kinder nicht mitnehmen können glaube ich, dass dieses eine Kind schon wertvoll genug war um damit anzufangen. Vielleicht ist es nur eine einzige Lebensgeschichte die wir mit Gottes Hilfe umgeschrieben haben, aber das Wissen dass dieses wunderbare Kind beinah verloren war und dass es möglich und gar nicht so schwierig war es zu retten, macht mich unglaublich kämpferisch. Jeden Abend bete ich dass das wir weiterhin Geld bekommen. Ich bete das meine jungen Studentenfreunde weiterhin genug Geld haben um mir mit Madi, David und John zu helfen. 

Es schlafen immer noch viel zu viele Kinder heute Nacht auf der Straße von Masaka. Und es werden Neue hinzukommen. Aber wir werden weiter machen. Denn seit ich gesehen habe wie sehr Madi aufgeblüht ist kann ich nicht mehr an dem Kinderleid vorbei gehen das auf den Straßen von Masaka existiert. Diese Kinder sind so unglaublich wertvoll jedes einzelne von Ihnen und jedes einzelne von ihnen wird von Gott geliebt. Er hat jedes Haar auf ihrem Kopf gezählt und kennt alle ihre Namen. Deswegen ist Julius selbstlos, deswegen gibt er diesen Kindern alles was er irgendwie hergeben kann. Deswegen fährt er abends nach der Arbeit in die Stadt, verbringt die Wochenenden mit den Straßenkindern und deswegen spricht er von seinen Söhnen und  wohnt mit den Schulkindern zusammen in dem größeren Haus in Nabugabo. Damit sie Bildung bekommen, behandelt werden wenn sie krank sind,  ein Dach über dem Kopf haben.Damit jemand darauf achtet dass sie nicht zu spät zu Bett gehen und keinen Unsinn im Fernsehen anschauen. Dass sie ihre Hausaufgaben erledigen und sonntags ein ordentliches Hemd tragen. Er kämpft dafür dass sie ihre Menschenrechte zurück bekommen und er schenkt ihnen eine Familie.
 
Bitte helfen Sie uns mit ihrer Spende noch mehr Kinder aufnehmen zu können. Wenn Sie irgendwelche Kontakte haben die uns weiter helfen könnten lassen Sie es uns wissen. 
Vielen Dank! 
Liebe Grüße 
Eure Jessie mit Julius, 
Madi, Timothy, David, Mulunjanja, Geofrey, Ronald Steven, Paddy, Mukasa,Mulumba,Ivan,William,Gerald,
Bangira, Catherine, Benita, Jennifer, Joseph, Emma, Babyface, Erik, Abdul, Aron und allen Streetkids

Jimdo

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